Donnerstag, 11. Juni 2026 | Ciftlik – Kumlubükü | 7 nm

Die letzte Nacht in unserer geliebten Bucht von Ciftlik ist herrlich ruhig. Wir schlafen mit diesem sanften, kaum spürbaren Wiegen der Pura Vida ein – ein Gefühl, das uns zu Hause definitiv fehlen wird. Der erste Kaffee an Deck, serviert vom unermüdlichen ZR, ist wie immer ein Genuss. Während Nane und Dirk die Rechnung bezahlen und sich bis September verabschieden, ist unser Frühstücksbrot noch im Ofen in Arbeit. Wir entscheiden uns zu warten. Eine gute Entscheidung, denn das erste Brot, das aus dem Ofen kommt, ist für uns. Nane jongliert den heißen Laib an Bord wie eine Zirkusartistin und ist froh, als sie ihn sicher an ZR übergeben kann.

Heute gönnen wir uns zum Abschluss ein kleines Highlight: den Vita Beach Club in Kumlubükü. Die Location ist traumschön und wir haben es uns verdient. Der Wind hat heute leider keine Lust, dafür schickt er uns eine unangenehme Welle, die uns auf der kurzen Strecke ordentlich durchschaukelt.

Ein Glück haben wir reserviert. Der Steg hat nur Platz für vier Boote. Als wir ankommen, sind wir mehr als angenehm überrascht. Das Team am Jetty weiß, was es tut. Wir bekommen zwei top-gewartete Muringleinen, Wasser und Strom werden angeboten. Letzteres brauchen wir dank unserer potenten Solaranlage nicht – ein großer Vorteil der Pura Vida, die den ganzen Törn ohne Landstrom auskommt.

Nach einem wohlverdienten Anleger-Shandy springen wir ins Wasser und spielen mit Hansis Tauch-Scooter. Das Ding macht einfach Laune! Nach dem Nachmittagskaffee testen wir den Pool und die luxuriösen Regenduschen des Clubs. Die gesamte Anlage ist blitzsauber und extrem stilvoll – “chillig” trifft es wohl auf den Punkt. Dirk lässt die Drohne steigen, Nane schickt die Aufnahmen an den Besitzer, der sich riesig freut.

Gegen 19 Uhr ist es dann so weit: Abendessen. Hansi und Heinz von der Il Sogno hatten uns schon die Burger wärmstens empfohlen, also bestellen wir den Premium Burger. Und wir werden nicht enttäuscht – absolute Spitzenklasse! Als Dankeschön für die Drohnenaufnahmen und das kleine Video, das Dirk noch schnell mit Musik unterlegt hat, spendiert uns der Club Crème Brûlée und Tiramisu. Besser geht’s nicht.

Der Vita Beach Club ist eine absolute Empfehlung, aber eine Reservierung ist zu empfehlen. Man kann zwar auch in der Bucht ankern und mit dem Dingi anlanden, aber Dingi-Fahren war noch nie so unser Ding.

Wir genießen den letzten Abend bei entspannter Lounge-Musik und dem einen oder anderen Weißweinschorle. Es ist schade, dass diese 14 Tage schon wieder zu Ende gehen. Gefühlt hätten wir es noch ewig ausgehalten. Aber die Vorfreude auf Mitte September tröstet uns. Wir kommen wieder

Mittwoch, 10.06.2026 | Serce Limani – Ciftlik | 14,19 nm

Wir werden von einem Geräusch wach, das so gar nicht in die idyllische Morgenstimmung von Serce Limani passt. Es klingt wie ein pfeifender Wasserkessel, aber da ZR noch leise vor sich hin schnarcht, kann das nicht die Ursache sein. Die Auflösung folgt prompt: Es ist Heinz vom Nachbarboot, der morgens um 7:30 Uhr seine kleine Drohne startet. ZR wacht augenblicklich knötterig auf. Das ist definitiv nicht seine bevorzugte Methode, um geweckt zu werden, vor allem, wenn der Kaffee noch nicht mal fertig ist. Ein leises “Bruddeln” ist zu vernehmen.

Nane macht sich auf den Weg, um Brot zu kaufen, aber bei Kaptan Nemo gibt es nur das Standard-Brot von gestern. Sie verzichtet dankend. Doch der Wirt, ruft kurzerhand eines der schwimmenden Shopping-Boote herbei, das uns ein frisches Brot verkauft. Das Frühstück ist gerettet!

Kurz vor 9 Uhr legt die Il Sogno ab. Hansi will bei Captain’s Table frühstücken und bei einer Reisegeschwindigkeit von 11 Knoten ist das auch in flotten 1,5 Stunden zu schaffen. Wir verabschieden uns wortreich und winken, bis sie um die Ecke verschwinden. Schön zu wissen, dass wir uns im Spätsommer wiedersehen. Nane bekommt noch die Drohnenbilder von Heinz zugeschickt – damit hat sich das nervige Weckgeräusch wenigstens gelohnt.

Kurz vor 11 Uhr legen auch wir ab. Kurs: Ciftlik. Wir hoffen auf den Wind vom Vortag und tatsächlich werden wir nicht enttäuscht. Mit 10 Knoten achterlichem Wind können wir gemütlich Richtung Ziel halsen.

Als wir kurz vor 15 Uhr am Steg des Deniz Restaurants ankommen, pfeift der Wind zwar ordentlich, aber er kommt direkt von achtern, was das Anlegen erleichtert. Nane verschwindet direkt in der Pantry, um unter dem Motto #aufessen einen Anleger-Snack zuzubereiten: Zucchini und Kartoffeln aus dem Backofen mit Joghurt und dem frischen Portulak von Sailors Paradise. Während das im Ofen brutzelt, bleibt genug Zeit für eine Runde Schwimmen. Am Steg nebenan übt eine russische Crew bei dem Wind An- und Ablegemanöver, bis die Mädels an Bord sichtlich die Lust verlieren und von Bord gehen.

Wir füllen Wasser auf, genießen den Wind, der die Hitze erträglich macht, und ZR kocht noch eine Runde Kaffee. Dirk kehrt vom Duschen mit einem Magnum-Eis für jeden zurück und Nane kündigt einen “Viertelstunden-Power-Nap” an. Dirk und ZR sind sich sicher, dass daraus mindestens zwei Viertelstunden werden.

Gegen 19:30 Uhr geht es zum Essen. Die Jungs schlagen bei Köfte und Chicken-Sis zu, Nane bleibt den Vorspeisen treu. Wir sitzen diesmal draußen, da es unter dem Dach des Restaurants zu warm ist, und genießen den Abend. Die Gewissheit, dass wir in bereits 93 Tagen wieder hier sein werden, macht den Abschied leicht.

Zurück an Bord läuft der #austrinken-Modus auf Hochtouren. ZR und Nane bekommen Weißweinschorle, Dirk eine Fanta – davon haben wir noch reichlich. Irgendwann übermannt uns die Müdigkeit und wir verziehen uns in die Kojen.

Dienstag, 09.06. 2026 | Kuruca Bükü – Serce Limani | 19,54 nm

Der Morgen steht ganz im Zeichen des #aufbrauchen-Modus. Es gibt Suzuk mit Ei zum Frühstück. Die Wurst ist den Jungs allerdings eine Spur zu scharf – die andere Hälfte wird daher feierlich dem Meer übergeben. Dazu gibt es aufgebackenes Brot und Simit. Wir genießen die Ruhe und Nane erklärt Kuruca Bükü offiziell zu ihrer neuen Lieblingsbucht. Da wir uns aber für den Nachmittag in Serce Limani verabredet haben, müssen wir uns losreißen.

Um 10:30 Uhr starten wir die Operation “Anker auf”. Das ist heute leichter gesagt als getan. Irgendwie hat es der Anker geschafft, sich kunstvoll in seiner eigenen Kette zu verfangen. Ein Manöver, das physikalisch eigentlich unmöglich sein sollte. Während Nane ans Steuer geht, lösen die Jungs das gordische Knoten-Problem mit dem Anker-Klarierhaken und vereinten Kräften.

Motiviert setzen wir die Segel, aber bei 2,5 Knoten Fahrt sind die 20 Seemeilen bis Serce Limani eine Lebensaufgabe. Also: Motor an und auf später hoffen. Wir queren den Hisarönü, dann den Yesilova – kein Wind. Erst kurz vor Kap Karaburun können wir endlich die Genua setzen. Und dann passiert’s: Entgegen aller Vorhersagen frischt der Wind auf 15 bis 16 Knoten auf! Wir fliegen förmlich Richtung Ziel und erreichen die Einfahrt von Serce Limani, die sich wie ein Geheimversteck erst im letzten Moment zeigt, pünktlich kurz vor 15 Uhr.

In der Bucht selbst pfeift der Wind kräftig aus West. Dirk hat alle Hände voll zu tun, die Pura Vida in der engen Bucht zu wenden und rückwärts an den Steg zu manövrieren. Hansi steht mit seiner “Il Sogno” schon bereit, die Crew von Kaptan Nemo nimmt die Leinen entgegen – bei dem Wind muss alles schnell gehen, aber wir sind ein eingespieltes Team.

Kaum ist der Motor aus, entert die Crew der Il Sogno unser Cockpit. Nane muss kleinlaut zugeben, kein kühles Bier mehr zu haben, aber Hansi, Heinz und Marion haben vorausschauend ihr eigenes mitgebracht. Dazu gibt es Salami, Käsewürfel und Cracker. Es wird gequatscht, gelacht und alle reden durcheinander – herrlich! Der Nachmittag vergeht wie im Flug. Marion ist die Leidtragende des Mücken-Sommers: Sie hat 150 Mückenstiche und sieht aus wie ein Streuselkuchen, während alle anderen verschont bleiben. Sie scheint für die türkischen Mücken eine besondere Delikatesse zu sein.

Der Wind bläst immer noch, aber die Muringleinen halten bombenfest. Hansi drückt Nane einen seiner Mini-Tauchscooter in die Hand – zum Spielen für den Rest des Törns. Genial! ZR probiert ihn sofort aus und muss nach dem ersten Vollgas-Stoß in Stufe 3 erstmal seine Badehose retten, bevor sie sich selbstständig macht.

Die Bucht ist landschaftlich der absolute Wahnsinn. Man fühlt sich wie in einem Karl-May-Film und wartet förmlich darauf, dass oben auf den Felsen Indianer mit Pfeil und Bogen auftauchen. Dirk lässt die Drohne steigen und macht atemberaubende Bilder.

Um 19 Uhr geht’s gemeinsam zum Essen zu Kaptan Nemo. Das Essen ist einfach, aber gut: Köfte, Tavuk Sis, Salat – es schmeckt. Wir sitzen noch lange zusammen, bis wir zurück an Bord gehen. In der Ferne blöken die wilden Esel, die Möwen schreien – eine perfekte Geräuschkulisse. Mit einem letzten Raki in der Hand lassen wir den Abend ausklingen, bevor wir müde, aber glücklich in die Kojen fallen.