Die Nacht an Deck war ruhig und der Sonnenaufgang, der uns weckt, entschädigt für jede einzelne unbequeme Stelle der Cockpitpolster. Auch Dirk wird langsam wach und wirkt erstaunlich erholt. Die Magenkrise scheint überstanden, auch wenn er zum Frühstück sicherheitshalber einen Tee statt Kaffee und ein Brot statt Müsli bestellt. „Aye Aye Sir, Euer Wunsch ist mir Befehl!“ Nane zaubert ein magenschonendes Mahl. Der Moment, in dem Dirk sich dann herzhaft Schinkenwurst auf sein Brot packt, ist die offizielle Entwarnung: Der Modus „magenschonend“ ist wieder zu „normal“ übergegangen.
Die Grillen zirpen, wir beobachten das Leben um uns herum. Die anderen Ankerlieger schnorcheln, angeln oder chillen. Bis auf das Angeln passt das auch für uns. Wir essen zwar gerne Fisch, aber selbst einen töten? Lieber nicht.
Gegen Mittag meldet sich bei Dirk ein kleiner Hunger. Der ultimative Test: Nane kocht Menemen, das türkische Rührei mit Tomaten und Paprika. Der Deal war: Wenn es ihm danach schlecht geht, fahren wir früher in die Marina nach Orhaniye. Aber: Er verträgt es bestens! Die Ankerbucht gehört uns für einen weiteren Tag.
Für heute ist etwas mehr Wind aus Nordwest angesagt. Das weckt Nanes Forschergeist. Sie starrt auf ihre Anker-App und analysiert unseren „Schwojekreis“ – also den Radius, in dem wir uns um den Anker bewegen. Der ist mit 38 Metern nicht zu unterschätzen. Obwohl wir auf 9 Metern geankert haben, kommen wir bei Zug auf der Kette dem Land schon recht nahe und haben nur noch 4,6 Meter Wasser unter dem Kiel. Bei 2 Metern Tiefgang ist das zwar völlig unbedenklich, aber Dirk wird langsam unruhig. „Was schaust du denn ständig auf diese App? Stimmt was nicht? Sollen wir uns verlegen?“ Aber Nane will einfach nur verstehen, wie sich das Boot bei den drehenden Winden verhält. Am Ende ist klar: Wir liegen in jede Richtung stabil. Alles passt.
Um sich vom ständigen Pendeln am Anker abzulenken, startet Nane unter Deck eine neue Mission: die Hochzeitskarte für morgen. Nach Mehmets Empfehlung sollen 2.000 Lira in den Umschlag. Einfach so reinstecken? Zu langweilig. Also wird eine YouTube-Anleitung zurate gezogen, wie man Geldscheine zu Herzen faltet. Es folgen mehrere Versuche. Dirk, der die Anleitung an Deck mithört, fragt besorgt, ob er helfen soll. „Nee, besser nicht.“ Am Ende ist Nane mit ihren Geld-Herzen zufrieden, schreibt einen schönen Text in die Karte und überlässt Dirk den anspruchsvollsten Teil des Jobs: seine Unterschrift.
Der Rest des Nachmittags folgt dem typischen Rhythmus eines Buchtentages: Musik hören, Hörbuch lauschen, schwimmen, in der Sonne trocknen, chillen. Außer, es gibt was zu reparieren. Eine Reparatur steht zwar nicht an, aber Dirk stört die Optik: Der Flugrost am Reling- und Bimini-Gestänge muss weg! Also wird die Polierpaste rausgeholt und alles auf Hochglanz gebracht, bis kein einziges Pünktchen mehr zu sehen ist. Interessanterweise kam seit seiner letzten Polier-Aktion im Juni niemand auf diese Idee…
Zum Abendessen gibt es einen leichten Tomatensalat mit Thunfisch und Zwiebeln, dazu aufgebackenes Fladenbrot. Dirks Magen meldet sich nicht. Magenkrise endgültig überstanden!
Wir genießen den Sonnenuntergang, beobachten den aufgehenden Mond und die Sterne. Dann beschließen wir, der Technik zu vertrauen. Die Anker-App ist so eingestellt, dass sie laut loshupt, falls wir unseren sicheren Bereich verlassen. Wie erwartet, bleibt der Alarm stumm, und wir schlafen die ganze Nacht herrlich durch.
