Der Morgen steht ganz im Zeichen des #aufbrauchen-Modus. Es gibt Suzuk mit Ei zum Frühstück. Die Wurst ist den Jungs allerdings eine Spur zu scharf – die andere Hälfte wird daher feierlich dem Meer übergeben. Dazu gibt es aufgebackenes Brot und Simit. Wir genießen die Ruhe und Nane erklärt Kuruca Bükü offiziell zu ihrer neuen Lieblingsbucht. Da wir uns aber für den Nachmittag in Serce Limani verabredet haben, müssen wir uns losreißen.
Um 10:30 Uhr starten wir die Operation “Anker auf”. Das ist heute leichter gesagt als getan. Irgendwie hat es der Anker geschafft, sich kunstvoll in seiner eigenen Kette zu verfangen. Ein Manöver, das physikalisch eigentlich unmöglich sein sollte. Während Nane ans Steuer geht, lösen die Jungs das gordische Knoten-Problem mit dem Anker-Klarierhaken und vereinten Kräften.
Motiviert setzen wir die Segel, aber bei 2,5 Knoten Fahrt sind die 20 Seemeilen bis Serce Limani eine Lebensaufgabe. Also: Motor an und auf später hoffen. Wir queren den Hisarönü, dann den Yesilova – kein Wind. Erst kurz vor Kap Karaburun können wir endlich die Genua setzen. Und dann passiert’s: Entgegen aller Vorhersagen frischt der Wind auf 15 bis 16 Knoten auf! Wir fliegen förmlich Richtung Ziel und erreichen die Einfahrt von Serce Limani, die sich wie ein Geheimversteck erst im letzten Moment zeigt, pünktlich kurz vor 15 Uhr.
In der Bucht selbst pfeift der Wind kräftig aus West. Dirk hat alle Hände voll zu tun, die Pura Vida in der engen Bucht zu wenden und rückwärts an den Steg zu manövrieren. Hansi steht mit seiner “Il Sogno” schon bereit, die Crew von Kaptan Nemo nimmt die Leinen entgegen – bei dem Wind muss alles schnell gehen, aber wir sind ein eingespieltes Team.
Kaum ist der Motor aus, entert die Crew der Il Sogno unser Cockpit. Nane muss kleinlaut zugeben, kein kühles Bier mehr zu haben, aber Hansi, Heinz und Marion haben vorausschauend ihr eigenes mitgebracht. Dazu gibt es Salami, Käsewürfel und Cracker. Es wird gequatscht, gelacht und alle reden durcheinander – herrlich! Der Nachmittag vergeht wie im Flug. Marion ist die Leidtragende des Mücken-Sommers: Sie hat 150 Mückenstiche und sieht aus wie ein Streuselkuchen, während alle anderen verschont bleiben. Sie scheint für die türkischen Mücken eine besondere Delikatesse zu sein.
Der Wind bläst immer noch, aber die Muringleinen halten bombenfest. Hansi drückt Nane einen seiner Mini-Tauchscooter in die Hand – zum Spielen für den Rest des Törns. Genial! ZR probiert ihn sofort aus und muss nach dem ersten Vollgas-Stoß in Stufe 3 erstmal seine Badehose retten, bevor sie sich selbstständig macht.
Die Bucht ist landschaftlich der absolute Wahnsinn. Man fühlt sich wie in einem Karl-May-Film und wartet förmlich darauf, dass oben auf den Felsen Indianer mit Pfeil und Bogen auftauchen. Dirk lässt die Drohne steigen und macht atemberaubende Bilder.
Um 19 Uhr geht’s gemeinsam zum Essen zu Kaptan Nemo. Das Essen ist einfach, aber gut: Köfte, Tavuk Sis, Salat – es schmeckt. Wir sitzen noch lange zusammen, bis wir zurück an Bord gehen. In der Ferne blöken die wilden Esel, die Möwen schreien – eine perfekte Geräuschkulisse. Mit einem letzten Raki in der Hand lassen wir den Abend ausklingen, bevor wir müde, aber glücklich in die Kojen fallen.



