Wir schlafen heute bis nach acht – eine Seltenheit. Nane wird vom lauten Geschnatter der Nachbarcrew geweckt, während im Hintergrund ein Esel seine Meinung zur Morgenstimmung kundtut. Da wir kein Brot mehr haben, macht sich Nane auf den Weg zum Market beim Octopus-Restaurant. Zum Frühstück wird wieder groß aufgefahren: Eier mit Sucuk für die Herren, Joghurt mit Honig für Nane und alles, was der Kühlschrank sonst noch so an Leckereien hergibt.
Gerade als Nane den Abwasch beendet, bekommt sie Besuch von einem unbekannten Flugobjekt: Unser Freund Heinz fliegt mit seiner kleinen Drohne einmal quer durch den Salon der Pura Vida! Da er das Manöver mit einer FPV-Brille steuert, die ihm die Pilotenperspektive gibt, gelingt ihm das erstaunlich gut. Wir sind beeindruckt und amüsiert.
Eigentlich wollen wir um 10:30 Uhr los, aber daraus wird nichts. Als wir unsere Rechnung bezahlen wollen, werden wir erstmal mit Çay und frisch frittierten Leckereien versorgt. Die Gastfreundschaft ist einfach überwältigend. Dirk schlägt Heinz noch vor, mit seiner Drohne ein kleines Video von der Pension und den Zimmern zu machen, um es auf Instagram und Google Maps zu posten – eine tolle Idee, um die Familie Apak zu unterstützen.
Gegen 11 Uhr ist es dann aber wirklich so weit. Wir verabschieden uns für dieses Jahr von unseren Freunden. Die Umarmungen sind herzlich, und der Wunsch, sich 2027 gesund und munter wiederzusehen, kommt von Herzen. „Inschallah“ – so Gott will.
Noch in der Bucht von Sögüt setzen wir das Großsegel im ersten Reff, später kommt die Genua dazu. Wir kreuzen auf und machen gut Strecke. Irgendwo hinter uns startet Hansi, aber wir wissen: Mit seinen 11 Knoten wird er uns locker einholen. Zwischen Symi und dem Festland schläft der Wind kurz ein. Wir holen das Großsegel ein, nur um kurz darauf die Genua wieder auszurollen und mit halbem, dann achterlichem Wind die letzten Meilen nach Bozukkale zu halsen. Auf dem Weg sehen wir Dogan, der mit seiner Yacht „Struan“ einhand unterwegs ist und das gleiche Ziel hat.
Am Steg von Sailors House herrscht reges Treiben. Hansi ist schon da, ebenso wie Suzan mit ihrer „Ilios“ und Dogan. Wir machen neben Hansi fest – ein perfektes Team-Manöver: Dirk steuert, Thomas fängt die Muring und Nane kümmert sich um die Achterleinen. Zum Anleger laden wir Dogan auf einen Drink ein und schwelgen in Erinnerungen an die „guten alten Zeiten“, als man noch problemlos und ohne Bürokratie zwischen der Türkei und den griechischen Inseln hin- und hersegeln konnte.
Dirk und Nane beschließen, die Gelegenheit für einen letzten Schwimmgang zu nutzen. Der Gedanke, dass sie nächsten Dienstag um diese Zeit schon wieder an ihren Schreibtischen im Büro sitzen werden, ist keine schöne Vorstellung. Aber irgendwie muss dieses teure Hobby ja finanziert werden. Nach dem Bad lässt Dirk noch die Drohne steigen und macht atemberaubende Aufnahmen von der Bucht und der alten Festung, die ihr den Namen gibt: „Bozukkale“ – die kaputte Burg.
Gegen 19 Uhr gehen wir zum Essen und quatschen erst mal eine Runde mit Suzan, die wir und ihr Schiff auch schon seit 20 Jahren kennen. Das Essen ist wie immer ein Gedicht. Egal ob Shrimps, Oktopus, Fisch oder Köfte – alle sind glücklich und zufrieden.
Zurück an Bord pfeift der Wind schon wieder kräftig und wird uns die Nacht mit 20 Knoten von achtern begleiten. Wir gönnen uns noch einen Raki zum Abschluss, werden ein wenig wehmütig, weil sich dieser wunderschöne Urlaub langsam dem Ende zuneigt, bewundern den klaren Sternenhimmel und verschwinden dann in den Kojen.

