Freitag, 12. Juni | Kumlubükü | Marmaris | Adaköy Marina | 12,3 nm

Der letzte Tag eines Törns hat immer eine eigene Melancholie. Unserer begann früh, denn wir hatten einen Plan. Um dem üblichen Trubel an der Tankstelle in Marmaris zu entgehen, wollten wir vor den meisten Charter-Crews dort sein. Wer schon einmal erlebt hat, wie sich ab dem Mittag die Yachten stauen und die Geduld mit der steigenden Hitze schwindet, wird unsere Motivation verstehen. Der Plan ging auf. Nach einem letzten ruhigen Frühstück auf See erreichten wir die Tankstelle, konnten ohne Wartezeit Diesel bunkern und machten uns auf den Weg zurück in die Adaköy Marina.

Gegen 12 Uhr funken wir die Marina an. Die Marineros kamen uns mit dem Dinghi entgegen, um unsere Ruckdämpfer bereits vor dem Anlegen am Steg zu montieren – ein Service, den wir sehr zu schätzen wissen. Wir bekamen einen Liegeplatz weiter innen am Schwimmsteg. Dort liegt man deutlich ruhiger, da die Schwingungen des Stegs geringer sind und die Leinen weniger belastet werden. Das Anlegemanöver selbst klappte mit Dirk am Steuer wie am Schnürchen. Ein Marinero rief Nane anerkennend zu, dass sie einen wirklich guten Skipper habe – ein schönes Kompliment zum Abschluss.

Nachdem das Boot sicher vertäut war, gab es natürlich erst einmal den obligatorischen Anleger. Danach stand jedoch die weniger vergnügliche Aufgabe an: das Packen. Mit dem Wissen, dass der Wecker um 2:45 Uhr für die Fahrt zum Flughafen klingeln würde, machten wir uns an die Arbeit. In der Mittagshitze war das eine schweißtreibende Angelegenheit. Als Belohnung gönnten wir uns eine erfrischende Dusche und anschließend ein paar Runden im Pool der Marina. Es ist immer wieder überraschend, wie viel mehr Kraft man im Süßwasser ohne den Auftrieb des Meeres benötigt.

Im Wasser liegend schmiedeten wir den Plan für den Abend: Wir würden die Tradition beibehalten, mit dem Taxi nach Marmaris fahren, um Hüsniye und ihre Mutter im Bazar zu besuchen und anschließend im „Golden Plate“ zu Abend zu essen. Wir warten noch auf Mehmet, um zu besprechen, was zu tun ist, bevor die nächste Crew kommt.

Die Taxifahrt nach Marmaris ist rasant, der Fahrer ließ uns in der Nähe der Netsel Marina aussteigen. Dirk steuerte uns zielsicher durch die Gassen zum kleinen Laden „Silvermoon“. Hüsniye war nicht da, aber ihre Mutter empfing uns mit einer herzlichen Umarmung und rief sie sofort an. Während wir warteten, überreichte Nane die mitgebrachte Lindor-Schokolade. Kurz darauf kam Hüsniye mit dem Fahrrad an. Wir setzten uns zusammen und sprachen über unseren Törn, die aktuelle Saison und die schwierige wirtschaftliche Lage in der Türkei. Die hohe Inflation macht das Leben für die Menschen hier sehr teuer und auch für uns sind die Preise spürbar gestiegen. Bevor wir gingen, kaufte Nane wie jedes Jahr einige Hamam-Tücher für Freunde und Kolleginnen.

Auf dem Weg zum Restaurant trafen wir zufällig Canan von Anka Yachting. Sie war zwar verabredet, nahm sich aber Zeit für einen kurzen Drink mit uns. Sie bestätigte unsere Beobachtung von unterwegs: Die Saison sei für die Charter-Unternehmen nur schleppend angelaufen, es fehlten Buchungen. Während wir die leeren Buchten genossen hatten, ist die Situation für die lokalen Geschäfte und Restaurants eine Katastrophe. Lediglich die Zahl der russischen Crews sei stabil geblieben. Diese Nachrichten gaben uns zu denken und warfen einen Schatten auf die Zukunft.

Auch wir selbst machen uns Gedanken. So sehr wir dieses Segelrevier lieben – wenn die Preisentwicklung so weitergeht, müssen wir uns vielleicht nach Alternativen umsehen. Mit diesen gemischten Gefühlen ließen wir unseren letzten Abend nach dem „Golden Plate“ noch im Cockpit ausklingen. Ein Abschied, der wie immer schwerfiel.

Donnerstag, 11. Juni 2026 | Ciftlik – Kumlubükü | 7 nm

Die letzte Nacht in unserer geliebten Bucht von Ciftlik ist herrlich ruhig. Wir schlafen mit diesem sanften, kaum spürbaren Wiegen der Pura Vida ein – ein Gefühl, das uns zu Hause definitiv fehlen wird. Der erste Kaffee an Deck, serviert vom unermüdlichen ZR, ist wie immer ein Genuss. Während Nane und Dirk die Rechnung bezahlen und sich bis September verabschieden, ist unser Frühstücksbrot noch im Ofen in Arbeit. Wir entscheiden uns zu warten. Eine gute Entscheidung, denn das erste Brot, das aus dem Ofen kommt, ist für uns. Nane jongliert den heißen Laib an Bord wie eine Zirkusartistin und ist froh, als sie ihn sicher an ZR übergeben kann.

Heute gönnen wir uns zum Abschluss ein kleines Highlight: den Vita Beach Club in Kumlubükü. Die Location ist traumschön und wir haben es uns verdient. Der Wind hat heute leider keine Lust, dafür schickt er uns eine unangenehme Welle, die uns auf der kurzen Strecke ordentlich durchschaukelt.

Ein Glück haben wir reserviert. Der Steg hat nur Platz für vier Boote. Als wir ankommen, sind wir mehr als angenehm überrascht. Das Team am Jetty weiß, was es tut. Wir bekommen zwei top-gewartete Muringleinen, Wasser und Strom werden angeboten. Letzteres brauchen wir dank unserer potenten Solaranlage nicht – ein großer Vorteil der Pura Vida, die den ganzen Törn ohne Landstrom auskommt.

Nach einem wohlverdienten Anleger-Shandy springen wir ins Wasser und spielen mit Hansis Tauch-Scooter. Das Ding macht einfach Laune! Nach dem Nachmittagskaffee testen wir den Pool und die luxuriösen Regenduschen des Clubs. Die gesamte Anlage ist blitzsauber und extrem stilvoll – “chillig” trifft es wohl auf den Punkt. Dirk lässt die Drohne steigen, Nane schickt die Aufnahmen an den Besitzer, der sich riesig freut.

Gegen 19 Uhr ist es dann so weit: Abendessen. Hansi und Heinz von der Il Sogno hatten uns schon die Burger wärmstens empfohlen, also bestellen wir den Premium Burger. Und wir werden nicht enttäuscht – absolute Spitzenklasse! Als Dankeschön für die Drohnenaufnahmen und das kleine Video, das Dirk noch schnell mit Musik unterlegt hat, spendiert uns der Club Crème Brûlée und Tiramisu. Besser geht’s nicht.

Der Vita Beach Club ist eine absolute Empfehlung, aber eine Reservierung ist zu empfehlen. Man kann zwar auch in der Bucht ankern und mit dem Dingi anlanden, aber Dingi-Fahren war noch nie so unser Ding.

Wir genießen den letzten Abend bei entspannter Lounge-Musik und dem einen oder anderen Weißweinschorle. Es ist schade, dass diese 14 Tage schon wieder zu Ende gehen. Gefühlt hätten wir es noch ewig ausgehalten. Aber die Vorfreude auf Mitte September tröstet uns. Wir kommen wieder

Mittwoch, 10.06.2026 | Serce Limani – Ciftlik | 14,19 nm

Wir werden von einem Geräusch wach, das so gar nicht in die idyllische Morgenstimmung von Serce Limani passt. Es klingt wie ein pfeifender Wasserkessel, aber da ZR noch leise vor sich hin schnarcht, kann das nicht die Ursache sein. Die Auflösung folgt prompt: Es ist Heinz vom Nachbarboot, der morgens um 7:30 Uhr seine kleine Drohne startet. ZR wacht augenblicklich knötterig auf. Das ist definitiv nicht seine bevorzugte Methode, um geweckt zu werden, vor allem, wenn der Kaffee noch nicht mal fertig ist. Ein leises “Bruddeln” ist zu vernehmen.

Nane macht sich auf den Weg, um Brot zu kaufen, aber bei Kaptan Nemo gibt es nur das Standard-Brot von gestern. Sie verzichtet dankend. Doch der Wirt, ruft kurzerhand eines der schwimmenden Shopping-Boote herbei, das uns ein frisches Brot verkauft. Das Frühstück ist gerettet!

Kurz vor 9 Uhr legt die Il Sogno ab. Hansi will bei Captain’s Table frühstücken und bei einer Reisegeschwindigkeit von 11 Knoten ist das auch in flotten 1,5 Stunden zu schaffen. Wir verabschieden uns wortreich und winken, bis sie um die Ecke verschwinden. Schön zu wissen, dass wir uns im Spätsommer wiedersehen. Nane bekommt noch die Drohnenbilder von Heinz zugeschickt – damit hat sich das nervige Weckgeräusch wenigstens gelohnt.

Kurz vor 11 Uhr legen auch wir ab. Kurs: Ciftlik. Wir hoffen auf den Wind vom Vortag und tatsächlich werden wir nicht enttäuscht. Mit 10 Knoten achterlichem Wind können wir gemütlich Richtung Ziel halsen.

Als wir kurz vor 15 Uhr am Steg des Deniz Restaurants ankommen, pfeift der Wind zwar ordentlich, aber er kommt direkt von achtern, was das Anlegen erleichtert. Nane verschwindet direkt in der Pantry, um unter dem Motto #aufessen einen Anleger-Snack zuzubereiten: Zucchini und Kartoffeln aus dem Backofen mit Joghurt und dem frischen Portulak von Sailors Paradise. Während das im Ofen brutzelt, bleibt genug Zeit für eine Runde Schwimmen. Am Steg nebenan übt eine russische Crew bei dem Wind An- und Ablegemanöver, bis die Mädels an Bord sichtlich die Lust verlieren und von Bord gehen.

Wir füllen Wasser auf, genießen den Wind, der die Hitze erträglich macht, und ZR kocht noch eine Runde Kaffee. Dirk kehrt vom Duschen mit einem Magnum-Eis für jeden zurück und Nane kündigt einen “Viertelstunden-Power-Nap” an. Dirk und ZR sind sich sicher, dass daraus mindestens zwei Viertelstunden werden.

Gegen 19:30 Uhr geht es zum Essen. Die Jungs schlagen bei Köfte und Chicken-Sis zu, Nane bleibt den Vorspeisen treu. Wir sitzen diesmal draußen, da es unter dem Dach des Restaurants zu warm ist, und genießen den Abend. Die Gewissheit, dass wir in bereits 93 Tagen wieder hier sein werden, macht den Abschied leicht.

Zurück an Bord läuft der #austrinken-Modus auf Hochtouren. ZR und Nane bekommen Weißweinschorle, Dirk eine Fanta – davon haben wir noch reichlich. Irgendwann übermannt uns die Müdigkeit und wir verziehen uns in die Kojen.