Wir haben erstaunlich gut geschlafen. Heute Morgen gönnen wir uns von der Bordkasse ein letztes, ausgiebiges Frühstück im Vita Beach. Bei einer Tasse Kaffee im Cockpit genießen wir die morgendliche Ruhe, bevor es losgeht. Der Wind ist merklich frischer geworden. Obwohl die Chance da wäre, verzichten wir auf ein letztes Bad – wenn man fröstelt, hat man einfach keine Lust auf kühles Wasser. Unser Freund ZR würde bei dieser Aussage nur ungläubig den Kopf schütteln. Das Frühstück ist jedenfalls die richtige Entscheidung: frisch gepresster Orangensaft, türkische Spezialitäten, Menemen, Spiegeleier – ein Traum.
Wir bedanken uns herzlich bei der ganzen Crew für die tolle Zeit, versprechen, eine glühende Google-Bewertung zu schreiben (sie haben es mehr als verdient!), und legen gegen 11 Uhr zum letzten Mal für dieses Jahr ab. Die Etappe in unsere Heimat-Marina Adaköy ist kurz. Nane funkt die Marina an, und kurz darauf kommt schon das Dinghi, um uns beim Anlegen zu helfen. Dirk steuert die Pura Vida gewohnt souverän rückwärts an unseren Platz. Der Marinero im Dinghi ruft Nane zu: „Good Skipper!“ Ja, das weiß sie. Er nimmt ihr sogar das Hantieren mit der schmutzigen Muringleine ab – ein Service, den sie dankend annimmt. Wenig später liegen wir sicher vertäut am Steg.
Der letzte Anlegerschluck vor der großen Aufräum- und Pack-Orgie wird in vollen Zügen genossen. Mehmet kommt an Bord, bringt eine neue Gasflasche, bekommt das Geld für die Wäsche und seine Bezahlung für die kommenden beiden Monate, in denen er nach dem Rechten schaut. Wir besprechen noch ein paar anstehende Arbeiten und verabschieden uns herzlich bis zum nächsten Jahr. „Kendine iyi bak“ – pass auf dich auf.
Dann bricht das Chaos aus: aufräumen, packen, verstauen. Thomas ist schnell fertig und flüchtet unter die Dusche, um nicht im Weg zu sein. Währenddessen bekommen wir im Marina-Büro bei Meliah ein unerwartetes Abschiedsgeschenk: ein Angebot für einen neuen, besseren Liegeplatz, geschützter und mit schöneren Sanitäranlagen. Wir freuen uns riesig!
Hansi ruft an, um die abendliche Fahrt nach Marmaris zu koordinieren. Um 17 Uhr fahren wir mit zwei Taxen los. Unser gemeinsames Ziel: der große Bazar. Unser Auftrag: eine Uhr für Thomas’ Frau Petra finden. Im Bazar steuert Dirk zielsicher zu Hüsniyes Laden, wo uns ihre Mutter überglücklich empfängt. Gemeinsam finden wir in einem Nachbarladen die gewünschte Uhr. Der erste Preis: 50 Euro. Aber mit Dirks Lieblingswort „Indirim“ (Rabatt) handeln wir sie auf 40 Euro herunter. Mission erfüllt! Bei einem Çay bei Hüsniye erzählen wir von unserem Törn, Nane kauft noch ein paar Schals als Mitbringsel, und dann geht es zur Promenade.
Thomas ist schwer beeindruckt von den riesigen Mega-Yachten im Stadthafen – das war vor 20 Jahren, bei seinem letzten Besuch, noch ganz anders. Wir gehen in unser traditionelles Stammlokal, das Golden Plate. Charlie begrüßt uns wie immer herzlich. Thomas bestellt „à la ZR“ ein Steak, braucht aber vorher eine Suppe zum Aufwärmen. Am Nachbartisch wird spektakulär ein Fisch in Salzkruste flambiert. Wie erwartet, schaut auch Canan von Anka Yachting vorbei. Wir quatschen kurz über die Entwicklungen in der Region und wünschen uns einen schönen Winter. Auch sie findet, dass wir den neuen Liegeplatz unbedingt nehmen sollten.
Pünktlich um 20:30 Uhr treffen wir die Crew der „Il Sogno“ für die Rückfahrt. Nane handelt den Taxipreis aus, und zurück in der Marina gibt es noch einen kleinen Tauschhandel: Wir bringen Hansis Crew Frischkäse, Wurst und Gemüse für ihr Frühstück, im Gegenzug bekommen wir ein Abschiedsbier. Nach unzähligen Umarmungen heißt es dann endgültig „Tschüss – man sieht sich!“
Zurück auf der Pura Vida werden die letzten Sachen verpackt. Wir genießen einen allerletzten Drink im Cockpit – Martini für Nane, Bier für Thomas, Fanta für Dirk – und schauen auf die Lichter von Marmaris. Wir sind uns einig: Es war ein wunderschöner gemeinsamer Törn. Ein sehr schöner.
Die Vernunft siegt schließlich. Um 3 Uhr klingelt der Wecker. Wir brauchen wenigstens ein paar Stunden Schlaf. Das war sie also, unsere Saison 2026. Die Zeit auf der Pura Vida vergeht leider immer viel zu schnell.
Bis zum nächsten Jahr…


