Letzte Woche drohte der Wetterbericht noch mit Regen, heute ist davon zum Glück nichts mehr zu sehen. Strahlender Sonnenschein. Das morgendliche Kaffee-Ritual an Deck lockt heute sogar unseren Skipper aus der Koje – ein Ereignis von besonderer Bedeutung! Nane macht sich auf den Weg, um Brot zu kaufen. Irems Market ist immer noch ein verwaister Ort, also geht’s zum kleinen Laden am Octopus Restaurant. Das Brot ist überraschend günstig (40 Tyl pro Stück), was uns zu der Frage bringt, wie man bei diesen staatlich gedeckelten Preisen überhaupt noch produzieren kann. Ein Rätsel der türkischen Wirtschaft.
Dank unserer umfangreichen Eier-Bestände (gekauft und geschenkt) gibt es für die Herren ein feudales Omelett mit Schinken und Käse. Während die Jungs noch heldenhaft den Abwasch erledigen, begleicht Nane die Rechnung vom Vorabend. Vor uns liegen fast 20 Seemeilen, die sich bei wenig bis gar keinem Wind wie Kaugummi ziehen werden.
Der Abschied dauert, wie immer, länger als geplant. Erst trinken wir noch einen Cay und quatschen mit unseren englischen Nachbarn. Ihr Boots-Drama geht in die nächste Runde: Gestern haben sie festgestellt, dass der Segelmacher ihnen die falschen Segel mitgegeben hat. Bei diesem Boot schlägt Murphys Gesetz mit voller Wucht zu. Nach einem herzlichen Abschied von Sabit, Gülümser und Öykü – “See you in September!” – geht es endlich los. Mission heute: das Restaurant Palmiye unter neuer Leitung testen und für unseren Freund Sven checken, ob er hier im August einen Crew-Wechsel machen kann.
Im Yesilova-Golf können wir tatsächlich aufkreuzen und schaffen es auf solide 4,5 Knoten. Der Wind meint es kurz gut mit uns und Nane kann auf dem Steuerbord-Bug bis zum Kap segeln. Doch kaum biegen wir in den Hisarönü-Golf ab, ist der Spaß vorbei. Wind weg. Also: Segel einholen, Motor an. Bei achterlichem Wind und Motorleistung hebt sich die gefühlte Geschwindigkeit gegenseitig auf, und wir schleichen mit leichtem Dieselgeruch in der Nase Richtung Orhaniye. Kurz vor Bencik erwischen wir nochmal einen Hauch von Wind und hissen die Genua. Im “Slow-Motion-Modus” cruisen wir mit 2,5 Knoten dem Ziel entgegen. Gechillter kann man nicht segeln.
Gegen 16 Uhr legen wir am Steg der Palmiye Marina an. Und wer steht da, um die Leinen anzunehmen? Dogan, der Chef höchstpersönlich. Wir werden zur Chefsache erklärt – das gefällt uns.
Nach einem schnellen Anleger-Drink füllt Dirk den Wassertank, und wir schrubben einmal das Deck. Es gibt definitiv schlimmere Arbeiten, als bei diesen Temperaturen mit kühlem Wasser zu planschen. Danach wollen wir in den Pool, der aber wegen einer Chlor-Behandlung gesperrt ist. Macht nichts. Wir duschen und lassen uns in die Liegestühle fallen. Man hat nichts getan und ist trotzdem erschöpft – das ist der wahre Urlaubs-Modus.
Gegen 19 Uhr testen wir das Restaurant. Und was sollen wir sagen? Volltreffer! Mushroom Casserole, Ekzine Peynir, Lamm- und Hähnchenspieße – alles ist fantastisch gewürzt und perfekt gegrillt. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Weil Nane etwas länger auf ihren Hauptgang warten muss, bekommen wir als Entschuldigung noch eine gebackene Halva aufs Haus. Wie nett! Mission für Sven: Läuft.
Zurück an Bord gibt es das obligatorische Weinschorle, gefolgt von einem Raki. Wir chillen an Deck, bis das erste Gähnen kommt, und verziehen uns dann glücklich und satt in die Kojen.


